Aber, um ehrlich zu sein, wir fragen uns in diesen Tagen ernsthaft: Will Königswinter überhaupt ein breites kulturelles Angebot? Seit Monaten ist den Entscheidungs-träger*innen und den Mitgliedern im Kulturausschuss der Stadt bekannt, dass der Königswinterer Hof, das einzige Theater in der Altstadt, als Stätte für Kultur in Gefahr ist. Wir stehen mit vielen Politiker*innen im Austausch, auch mit dem Bürgermeister.
Doch – auf der letzten Sitzung des Kulturausschusses am 14. September war das Thema nicht einmal auf der Agenda. Uns wurde mitgeteilt, dass dies gegenwärtig die Verhandlungen stören würde. Am Abend der letzten Aufführung erfuhren wir, dass der Bürgermeister sich nicht dagegenstellen werde, dass die einzige Kulturstätte in der Altstadt nun einem Bekleidungsgeschäft weichen muss. Welch eine Ohrfeige!
Natürlich kann sich „die Stadt“ dahinter verstecken, dass der Besitzer des Theaters diese Entscheidung fällen muss. Aber: uns sind keinerlei Bemühungen der Entscheidungsträger*innen bekannt, dem Todesstoß für Kultur in der Altstadt entschieden entgegenzutreten. Hat die Stadt dem Besitzer ein Angebot unterbreitet, dieses Theater zu erhalten? Wir stehen in engem Austausch mit dem Besitzer und verstehen, dass auch dieser ein politisches Signal benötigt, das sich klar für den Erhalt ausspricht.
Stattdessen hört man, dass selbst Mitglieder des Kulturausschusses die Ansicht vertreten, ein Bekleidungsgeschäft ziehe Leute in die Stadt! Komisch, uns hat bisher niemand gefragt, wieviele Gäste auf den drei Vorstellungen anwesend waren oder woher sie kamen. An drei Abenden allein rund vierhundert Gäste ist aus unserer Sicht nicht wenig. Der Königswinterer Hof könnte wieder über die Stadt hinaus erstrahlen und Publikum anziehen, wenn es ein kontinuierliches Angebot geben würde. Und, diese Gäste kommen nicht nur zur Veranstaltung, sie reisen meist vorzeitig an, suchen nach Restaurants, bummeln durch die Altstadt und übernachten dort.
Also auch wirtschaftlich kann das Theater mit einem Bekleidungsgeschäft konkurrieren, wenn man sich auf solch eine Diskussion überhaupt einlassen möchte.
Wir sind der Meinung – Kultur ist Teil des Lebens. Das Wesen eines Menschen besteht nicht nur aus Konsum. Wir wissen von anderen Kulturschaffenden, etwa einem Chor aus Niederdollendorf, dass die Stadt diesen keine Proberäume zur Verfügung stellen kann.
Unser Verein Nicht Davor Nicht Dahinter hat der Stadt und dem Besitzer ein Konzept unterbreitet, wie der Königswinterer Hof – zum Nulltarif für die Stadt! – erhalten werden kann und wie Kulturschaffende endlich aufatmen könnten.
Wir haben der Stadt, d.h. den Entscheidungsträger*innen auch unsere Unterstützung dafür schriftlich angeboten, behilflich zu sein, den Kulturetat durch Fördergelder des Landes NRW zu verdoppeln. Auf dieses Angebot haben wir bis heute keine Antwort erhalten. |